Donnerstag, 7. April 2011
Eine Wanderung
b-reeze, 15:08h
Heute ist ein wunderbarer Tag, den ich genutzt habe, mich ein bisschen in der Gegend umzusehen. Wo ich schon immer mal hin wollte, was ich schon immer mal sehen wollte, wo ich schon immer mal mein Auto stehen lassen wollte....heute ist es wieder passiert:
in Rheinhessen, Gau-Odernheim, Petersberg.
Angeblich sollen dort am Petersberg eine große Menge von Wildtulpen wachsen. Angeblich die größte zusammenhängende Fläche nördlich der Alpen. Wildtulpen (Tulipa sylvestris) haben nichts mit den allseits üblichen häßlichen Gartentulpen zu tun. Sie sind zierlicher und goldgelb, blühen Ende April und bei mir im Garten stehen sie auch seit 5 Jahren und vermehren sich ziemlich gut. Allerdings blühen sie jetzt noch nicht. Bei dem jetzt schon ziemlich warmen Wetter dachte ich also, vielleicht blühen sie jetzt dort schon und ich kann sie mir mal am Originalstandort ansehen, sofern dieser vielleicht wärmebegünstigter ist, als der in meinem Garten.
Von Gau-Odernheim aus sieht der Petersberg aus wie zwei weibliche Brüste, der Wirtschaftsweg schlängelt sich dazwischen durch und relativ schnell wird klar, dass diese Brüste langgezogen sind und eine Menge Nebenhügel haben, die man eben von Gau-Odernheim aus nicht sieht. Die Sonne scheint, es ist - obwohl Sommerzeit, obwohl eigentlich erst 10 Uhr - schon t-shirtwarm. Ich krempel die Hosenbeine hoch, damit das Heuschnupfen-Ekzem ein bisschen UV-Licht bekommt (und damit die Beine nicht so käsig aussehen) und stapfe bergan. Vereinzelt heften Winzer die Triebe der Reben an die Drähte. Eine Krähenkolonie nistet in den Pappeln an den Selz- Teichen und macht einen Höllenlärm, der Boden ist übersät von Sandbienen, die einen Eiablageplatz suchen. Kurz, es ist Frühling.
Mein Weg geht erst mal um den südlichen Hügel herum. Hier ist eine Menge Weinberg, die Flurbereinigung hat volle Arbeit geleistet: Die Rebzeilen werden durch Gräser bestimmt, durch blühenden Löwenzahn. Aber keine einzige Traubenhyazinthe, kein Milchstern, kein Gelbstern, keine Wildtulpe zu sehen, wie sie doch typisch sind für alte Weinberge, kleinparzellig gepflegt von verantwortungsbewußten Winzern. Hier wird das Wirtschaftsgut Wein auf Vollernterbedarf zugeschnitten. Leider!
Im hinteren Eck, kurz vor dem Aufstieg auf den Gipfel entdecke ich doch noch ein bisschen Natur. Ein Lößhohlweg zieht sich die Hänge hinauf, an einigen Stellen ist der original Untergrund noch zu sehen: Cyrenenmergel, ein weicher Kalkstein, dessen Struktur auch ein Dachs benutzt hat, um sich einen Bau zu graben. Der Weg ist von blühenden Schlehen umgeben, die atemberaubend duften. Gerüche von Mallorca im Sommer mischen sich mit dem typischen Schwefel- und Kupfergerüchen von bewirtschafteten Weinbergen. Ein Winzer, etwas abseits meiner Route spritzt seinen Weingarten mit einem Austriebsspritzmittel, um Knospenschädlinge fern zu halten.
Nun erreiche ich den Gipfel. Bisher keine seltenen Pflanzen entdeckt. Nur das übliche Weinbergsgedöns, das den Biotop Intensivweinbau widerspiegelt.
Ganz oben entdecke ich Mauern. Hier soll im 12. Jahrhundert ein Kloster gestanden haben. Das macht Sinn, denn der reinhessische Jakobsweg geht hier vorbei. Auf dessen Wegmarkierung bin ich schon oft gestoßen heute. Rund um das Gemäuer liegt mächtig Müll herum. Auch einige Feuerstellen sind nicht zu übersehen. Zwei Einweg-Pflandflaschen liegen auch da. Die nehme ich mit - immerhin wieder 50 Cent für die Schokoladenkasse. In der Mitte des Plateaus steht ein Stein. Auf dem ist angegeben, dass der Petersberg mit 246 , Metern der höchste Berg Rheinhessens ist. Und in der Tat ist der Ausblick grandios. 360°-Blick über das rheinhessische Hügelland. Ich kann Biblis sehen :-( , den Odenwald, Frankfurt, den Taunus, den Hunsrück, den Donnersberg und natürlich alle möglichen Dörfer, bekannte und unbekannte, die in der Nähe liegen. Wunderbar. Ich ziehe mein T-Shirt aus und lass mich von diesem starken Südwestwind bewehen. Trotz Ozonloch bemühe ich mich heute mal um einen ersten Kontakt der Haut mit der Sonne. Jeden Tag 10 Minuten, dann immer mehr und ich werde zu Beginn meines Urlaubs kaum noch Angst vor Sonnenbrand haben müssen.
Auch der schönste Ausblick ist irgendwann genug. Der Wind schmerzt in den Augen, vielleicht ist es auch das grelle Sonnenlicht oder meine Augen sind durch den Pollenflug einfach zu empfindlich. Ich gehe bergab, treffe eine Winzerin, die ich frage, wo denn diese Wildtulpen stehen. Sie geht mit mir auf eine Anhöhe, zeigt mit dem Finger weit ins Land, nach Süden und sagt: "dort unten, wo das Schild steht, gibt es einige Weinberge, auf denen sie steht. Leider sind die Weinberge vor einigen Jahren bereinigt worden. Jetzt sind es nur noch wenige..."
Traurig. Wahr. Menschlich. Da sie sowieso noch nicht blühen werden, merke ich mir die Stelle für Ende April/Anfang Mai vor. Ich will sowieso wie jedes Jahr am 1. Mai nach Wöllstein fahren. Dort gibt es das Holunderknabenkraut. Es ist um den 1.Mai immer in Vollblüte. Da kann ich auch einen Abstecher nach Gau-Odernheim machen. Das ist nicht weit.
Der Abstieg geht durch einen schlehenbekränzten, grünteppichbedeckten Hohlweg ziemlich gerade bergab ins Dorf, wo mein Auto parkt. Dieser Weg gehört auch zum Jakobsweg...vielleicht sollte ich diesen rheinhessischen Jakobsweg mal abschnittsweise gehen....einen kleinen Teil habe ich ja schon....
in Rheinhessen, Gau-Odernheim, Petersberg.
Angeblich sollen dort am Petersberg eine große Menge von Wildtulpen wachsen. Angeblich die größte zusammenhängende Fläche nördlich der Alpen. Wildtulpen (Tulipa sylvestris) haben nichts mit den allseits üblichen häßlichen Gartentulpen zu tun. Sie sind zierlicher und goldgelb, blühen Ende April und bei mir im Garten stehen sie auch seit 5 Jahren und vermehren sich ziemlich gut. Allerdings blühen sie jetzt noch nicht. Bei dem jetzt schon ziemlich warmen Wetter dachte ich also, vielleicht blühen sie jetzt dort schon und ich kann sie mir mal am Originalstandort ansehen, sofern dieser vielleicht wärmebegünstigter ist, als der in meinem Garten.
Von Gau-Odernheim aus sieht der Petersberg aus wie zwei weibliche Brüste, der Wirtschaftsweg schlängelt sich dazwischen durch und relativ schnell wird klar, dass diese Brüste langgezogen sind und eine Menge Nebenhügel haben, die man eben von Gau-Odernheim aus nicht sieht. Die Sonne scheint, es ist - obwohl Sommerzeit, obwohl eigentlich erst 10 Uhr - schon t-shirtwarm. Ich krempel die Hosenbeine hoch, damit das Heuschnupfen-Ekzem ein bisschen UV-Licht bekommt (und damit die Beine nicht so käsig aussehen) und stapfe bergan. Vereinzelt heften Winzer die Triebe der Reben an die Drähte. Eine Krähenkolonie nistet in den Pappeln an den Selz- Teichen und macht einen Höllenlärm, der Boden ist übersät von Sandbienen, die einen Eiablageplatz suchen. Kurz, es ist Frühling.
Mein Weg geht erst mal um den südlichen Hügel herum. Hier ist eine Menge Weinberg, die Flurbereinigung hat volle Arbeit geleistet: Die Rebzeilen werden durch Gräser bestimmt, durch blühenden Löwenzahn. Aber keine einzige Traubenhyazinthe, kein Milchstern, kein Gelbstern, keine Wildtulpe zu sehen, wie sie doch typisch sind für alte Weinberge, kleinparzellig gepflegt von verantwortungsbewußten Winzern. Hier wird das Wirtschaftsgut Wein auf Vollernterbedarf zugeschnitten. Leider!
Im hinteren Eck, kurz vor dem Aufstieg auf den Gipfel entdecke ich doch noch ein bisschen Natur. Ein Lößhohlweg zieht sich die Hänge hinauf, an einigen Stellen ist der original Untergrund noch zu sehen: Cyrenenmergel, ein weicher Kalkstein, dessen Struktur auch ein Dachs benutzt hat, um sich einen Bau zu graben. Der Weg ist von blühenden Schlehen umgeben, die atemberaubend duften. Gerüche von Mallorca im Sommer mischen sich mit dem typischen Schwefel- und Kupfergerüchen von bewirtschafteten Weinbergen. Ein Winzer, etwas abseits meiner Route spritzt seinen Weingarten mit einem Austriebsspritzmittel, um Knospenschädlinge fern zu halten.
Nun erreiche ich den Gipfel. Bisher keine seltenen Pflanzen entdeckt. Nur das übliche Weinbergsgedöns, das den Biotop Intensivweinbau widerspiegelt.
Ganz oben entdecke ich Mauern. Hier soll im 12. Jahrhundert ein Kloster gestanden haben. Das macht Sinn, denn der reinhessische Jakobsweg geht hier vorbei. Auf dessen Wegmarkierung bin ich schon oft gestoßen heute. Rund um das Gemäuer liegt mächtig Müll herum. Auch einige Feuerstellen sind nicht zu übersehen. Zwei Einweg-Pflandflaschen liegen auch da. Die nehme ich mit - immerhin wieder 50 Cent für die Schokoladenkasse. In der Mitte des Plateaus steht ein Stein. Auf dem ist angegeben, dass der Petersberg mit 246 , Metern der höchste Berg Rheinhessens ist. Und in der Tat ist der Ausblick grandios. 360°-Blick über das rheinhessische Hügelland. Ich kann Biblis sehen :-( , den Odenwald, Frankfurt, den Taunus, den Hunsrück, den Donnersberg und natürlich alle möglichen Dörfer, bekannte und unbekannte, die in der Nähe liegen. Wunderbar. Ich ziehe mein T-Shirt aus und lass mich von diesem starken Südwestwind bewehen. Trotz Ozonloch bemühe ich mich heute mal um einen ersten Kontakt der Haut mit der Sonne. Jeden Tag 10 Minuten, dann immer mehr und ich werde zu Beginn meines Urlaubs kaum noch Angst vor Sonnenbrand haben müssen.
Auch der schönste Ausblick ist irgendwann genug. Der Wind schmerzt in den Augen, vielleicht ist es auch das grelle Sonnenlicht oder meine Augen sind durch den Pollenflug einfach zu empfindlich. Ich gehe bergab, treffe eine Winzerin, die ich frage, wo denn diese Wildtulpen stehen. Sie geht mit mir auf eine Anhöhe, zeigt mit dem Finger weit ins Land, nach Süden und sagt: "dort unten, wo das Schild steht, gibt es einige Weinberge, auf denen sie steht. Leider sind die Weinberge vor einigen Jahren bereinigt worden. Jetzt sind es nur noch wenige..."
Traurig. Wahr. Menschlich. Da sie sowieso noch nicht blühen werden, merke ich mir die Stelle für Ende April/Anfang Mai vor. Ich will sowieso wie jedes Jahr am 1. Mai nach Wöllstein fahren. Dort gibt es das Holunderknabenkraut. Es ist um den 1.Mai immer in Vollblüte. Da kann ich auch einen Abstecher nach Gau-Odernheim machen. Das ist nicht weit.
Der Abstieg geht durch einen schlehenbekränzten, grünteppichbedeckten Hohlweg ziemlich gerade bergab ins Dorf, wo mein Auto parkt. Dieser Weg gehört auch zum Jakobsweg...vielleicht sollte ich diesen rheinhessischen Jakobsweg mal abschnittsweise gehen....einen kleinen Teil habe ich ja schon....
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Mittwoch, 2. Februar 2011
Introversion
b-reeze, 16:25h
Kürzlich kam mir ein Artikel in einer Zeitschrift beim Arzt in die Finger. Seitdem meine Schilddrüse macht, was sie will (und nicht was ich will), muss ich halt öfter in Arztpraxen rumsitzen und den Lesestoff nutzen, der dort ausliegt. Normalerweise handelt es sich ja um so schnöde Magazine, wie Gala oder Petra oder Brigitte oder Auto-Motor-Sport, gelegentlich mal ein Focus, Stern oder Spiegel. Ganz selten auch ein Geo...
Hier war es eine Zeitung, die irgendwas mit Psychologie zu tun hat (den genauen Namen habe ich vergessen) und da stand drin, dass es extrovertierte Menschen genauso gibt, wie introvertierte Menschen, ungefähr im Verhältnis 50/50. Wohl aber natürlich mit dem Nachsatz, dass die extrovertierten natürlich wesentlich mehr auffallen als die introvertierten Menschen.
Dann gab es Beispiele nach der Art: "Können Sie ohne Probleme vor einer ganzen Menge Menschen reden, haben aber danach keine Lust, weitere Fragen zu beantworten, weil es zu anstrengend für Sie ist, geschweige denn mit denen allen eine Party zu feiern?"
Ganz genau ich....
Oder: "Sehnen Sie sich während eines längeren Gespräches öfter nach dessen Ende und müssen sich danach sofort zurückziehen und Ruhe haben?"
Ganz genau ich....
"Ist ihnen der Kontakt mit einigen lieben Menschen einzeln sehr Recht und angenehm, bei mehreren Menschen (auch lieben) verlieren Sie den Überblick und möchten nur noch weg?"
Ganz genau ich....
"Gehen Sie Diskussionen aus dem Weg, weil Sie sowieso nicht zu Wort kommen? Denn wenn Sie sich einen Diskussionspunkt zurechgelegt haben, ist das Gespräch längst ganz woanders?"
Ganz genau ich....
Introvertierte Menschen denken bevor sie reden - extrovertierte Menschen denken beim Reden...
Na dann.....ist ja alles klar!
Hier war es eine Zeitung, die irgendwas mit Psychologie zu tun hat (den genauen Namen habe ich vergessen) und da stand drin, dass es extrovertierte Menschen genauso gibt, wie introvertierte Menschen, ungefähr im Verhältnis 50/50. Wohl aber natürlich mit dem Nachsatz, dass die extrovertierten natürlich wesentlich mehr auffallen als die introvertierten Menschen.
Dann gab es Beispiele nach der Art: "Können Sie ohne Probleme vor einer ganzen Menge Menschen reden, haben aber danach keine Lust, weitere Fragen zu beantworten, weil es zu anstrengend für Sie ist, geschweige denn mit denen allen eine Party zu feiern?"
Ganz genau ich....
Oder: "Sehnen Sie sich während eines längeren Gespräches öfter nach dessen Ende und müssen sich danach sofort zurückziehen und Ruhe haben?"
Ganz genau ich....
"Ist ihnen der Kontakt mit einigen lieben Menschen einzeln sehr Recht und angenehm, bei mehreren Menschen (auch lieben) verlieren Sie den Überblick und möchten nur noch weg?"
Ganz genau ich....
"Gehen Sie Diskussionen aus dem Weg, weil Sie sowieso nicht zu Wort kommen? Denn wenn Sie sich einen Diskussionspunkt zurechgelegt haben, ist das Gespräch längst ganz woanders?"
Ganz genau ich....
Introvertierte Menschen denken bevor sie reden - extrovertierte Menschen denken beim Reden...
Na dann.....ist ja alles klar!
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Donnerstag, 25. November 2010
Gedankensplitter...
b-reeze, 13:47h
Gegenüber meinem Büro im Baum ist ein Vogelnest. Seid drei Wochen sind alle Blätter unten und nun ist es schutzlos den Blicken aller Beschäftigten hier preisgegeben. Natürlich ist es leer, denn welcher Vogel möchte sich bei diesem Wetter um die Fortpflanzung kümmern? Allerdings müssen Vögel ja auch irgendwo wohnen? Stellt sich bei mir nun die Frage: Warum ist das Nest leer? Diente es nur zur Aufzucht des Nachwuchses oder ist es aufgegeben worden – aus welchen Gründen auch immer? Und wo wohnt dieser Vogel jetzt? Gehört er zu der beneidensbedauernswerten Art von Spezies, die jedes Jahr zweimal eine Gewaltreise von mehreren Tausend Flugkilometern machen, um dem tristen wintergrau in Deutschlands Städten zu entgehen? Oder hat er – ganz im Sinne der vermögenden Einwohner Europas – eine Zweitwohnung, womöglich spritzwassergeschützt und katzensicher?
Das Nest ist sehr grob zusammengebaut. Sinn für Ästhetik steckte nicht dahinter, eher nüchterner Pragmatismus. Ergo muss Vögelchen schon ein größeres Kaliber haben, denn so dicke Zweige stemmt keine Meise. Und selbst bei einer Amsel wäre ich noch nicht so sicher. Eher ein Eichelhäher oder Elster. Was aber nicht die zwei Meisen daran hinderte, sich das Nest mal genauer anzuschauen. Es waren eine Blau- und eine Kohlmeise. Noch nicht mal miteinander verbandelt – trotzdem untersuchten sie unabhängig voneinander zur gleichen Zeit das Nest. Vielleicht schon einmal eine Immobilienrecherche für das nächste Frühjahr. Bis dahin ist aber leider noch etwas hin und wir müssen noch Weihnachten überstehen. Trotzdem immer noch die Frage: Wo steckt der ehemalige Besitzer dieses Nestes? Vielleicht ganz profan: das 2.827te Opfer des Straßenverkehrs oder im Magen eines Habichts…
Das Nest ist sehr grob zusammengebaut. Sinn für Ästhetik steckte nicht dahinter, eher nüchterner Pragmatismus. Ergo muss Vögelchen schon ein größeres Kaliber haben, denn so dicke Zweige stemmt keine Meise. Und selbst bei einer Amsel wäre ich noch nicht so sicher. Eher ein Eichelhäher oder Elster. Was aber nicht die zwei Meisen daran hinderte, sich das Nest mal genauer anzuschauen. Es waren eine Blau- und eine Kohlmeise. Noch nicht mal miteinander verbandelt – trotzdem untersuchten sie unabhängig voneinander zur gleichen Zeit das Nest. Vielleicht schon einmal eine Immobilienrecherche für das nächste Frühjahr. Bis dahin ist aber leider noch etwas hin und wir müssen noch Weihnachten überstehen. Trotzdem immer noch die Frage: Wo steckt der ehemalige Besitzer dieses Nestes? Vielleicht ganz profan: das 2.827te Opfer des Straßenverkehrs oder im Magen eines Habichts…
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Mittwoch, 17. November 2010
Der Wald....
b-reeze, 13:10h
....ist jetzt sehr schön.....so klar und übersichtlich. Man kann wieder durch die Bäume hindurchsehen und erkennen, wo man sich befindet. Das nasse Laub dämpft die Schritte, man läuft leise auf einem gepolsterten Teppich und wird für das Wild unhörbar. Die vielen Grüntöne des Sommers sind ebenso vielen Brauntönen gewichen. Noch überwiegt das Grau nur am Himmel. Es ist leise im Wald, keine Vögel mehr die singen. Ab und zu raschelt mal eine Maus. Ich mag den Herbstwald sehr, genau so sehr, wie ich Klarheit mag.
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Montag, 15. November 2010
Unklarheit
b-reeze, 15:48h
Ich stelle in letzter Zeit immer wieder fest, dass ich mit Verwirrtheit, Angst und manchmal sogar Aggression reagiere, wenn etwas für mich unklar ist. Die Bandbreite der unguten Gefühle ist sicherlich groß und nicht immer ist es Angst oder Aggression, aber je nach eigener Stabilität und Stimmung trifft es mich manchmal ganz schön hart.
So ist ja Mrs M auf partnerschaftlichen Abwegen und dieses nicht hier sein und nicht dort sein, macht mich ganz schön fertig und raubt mir seit über einem Jahr wertvolle Energie. Das macht mich oft so sehr aggressiv, dass ich Kalksteine zerbeißen könnte. Vielleicht auch gerade deshalb, weil diese Hilflosigkeit dazu kommt, es nicht beeinflussen zu können und ich keine Kontrolle habe (und Kontrolle habe ich doch so gerne...).
Eine andere, typische Situation ist, wenn ich verabredet bin, ich am Treffpunkt stehe und - natürlich mindestens 5 Mnuten früher da bin - keiner kommt, es ist eine Minute danach: grrr, zwei Minuten danach: ach Mensch, drei Minuten danach: also, wenn in zwei Minuten keiner da ist, dann geh ich, vier Minuten danach: hab ich vielleicht den falschen Treffpunkt erwischt?, fünf Minuten danach: hab ich die Zeit falsch verstanden?, sechs Minuten danach: hoffentlich ist nichts passiert.., sieben Minuten danach: wenn ich jetzt gehe und er kommt dann eine Minute später, wie soll ich mich entschuldigen, dass ich nicht da war?, also warte ich und warte ich und warte und warte, warte, warte, wart, war, wa, w....#
Unklarheit oder zu seinen Zusagen nicht stehen - das bringt mich immer wieder aus dem Gleichgewicht und dann habe ich ein Buch gelesen, in dem über unsicher gebundene Kinder geschrieben wurde. Menschen, deren Eltern in der Kindheit nicht klar waren, die vielleicht ihre Kinder lieben wollten, aber nicht durften; die ihre Kinder nicht haben wollten, sie aber umsorgen mussten......da gibts sicher viele Varianten.
Meine Eltern waren nicht klar - wie sollten sie auch, niemand ist perfekt und es war eine schwierige Zeit früher in den 60ger Jahren und, und, und......
Das Kind in mir wollte Liebe und Zuneigung und es gab oft Zeiten, zu denen es nicht angesagt war, sein Kind zu bekuscheln, denn die 4 Stunden im Fütterungs-Rythmus waren noch nicht um oder die Arbeit ließ keinen Raum. Und es gab nur wenig Zeiten, in denen ich als kleiner Kerl glücklich und zufrieden war....warm und geborgen, satt und ohne diesen fiesen Grummelkerl im Bauch, der so böse zu mir war....
Das führt dazu, dass ich heute auch nach Liebe hungere, mich nicht richtig binden will, weil ich Angst habe, in drei Monaten ist alles wieder vorbei und dann?? SO hilft nur Rückzug. Das ist auch der Grund, warum ich so hilflos und aggressiv auf Unklarheit reagiere....
Sind es wirklich alles die Eltern gewesen? Und was mache ich mit dieser Erkenntnis? Habe ich dadurch etwas gewonnen, indem ich diese Zusammenhänge herstelle? Oder ist es nur eine Alibifunktion, damit ich die Verantwortung für mein Handeln wieder an andere abgeben kann????
Gibt es Meinungen?
So ist ja Mrs M auf partnerschaftlichen Abwegen und dieses nicht hier sein und nicht dort sein, macht mich ganz schön fertig und raubt mir seit über einem Jahr wertvolle Energie. Das macht mich oft so sehr aggressiv, dass ich Kalksteine zerbeißen könnte. Vielleicht auch gerade deshalb, weil diese Hilflosigkeit dazu kommt, es nicht beeinflussen zu können und ich keine Kontrolle habe (und Kontrolle habe ich doch so gerne...).
Eine andere, typische Situation ist, wenn ich verabredet bin, ich am Treffpunkt stehe und - natürlich mindestens 5 Mnuten früher da bin - keiner kommt, es ist eine Minute danach: grrr, zwei Minuten danach: ach Mensch, drei Minuten danach: also, wenn in zwei Minuten keiner da ist, dann geh ich, vier Minuten danach: hab ich vielleicht den falschen Treffpunkt erwischt?, fünf Minuten danach: hab ich die Zeit falsch verstanden?, sechs Minuten danach: hoffentlich ist nichts passiert.., sieben Minuten danach: wenn ich jetzt gehe und er kommt dann eine Minute später, wie soll ich mich entschuldigen, dass ich nicht da war?, also warte ich und warte ich und warte und warte, warte, warte, wart, war, wa, w....#
Unklarheit oder zu seinen Zusagen nicht stehen - das bringt mich immer wieder aus dem Gleichgewicht und dann habe ich ein Buch gelesen, in dem über unsicher gebundene Kinder geschrieben wurde. Menschen, deren Eltern in der Kindheit nicht klar waren, die vielleicht ihre Kinder lieben wollten, aber nicht durften; die ihre Kinder nicht haben wollten, sie aber umsorgen mussten......da gibts sicher viele Varianten.
Meine Eltern waren nicht klar - wie sollten sie auch, niemand ist perfekt und es war eine schwierige Zeit früher in den 60ger Jahren und, und, und......
Das Kind in mir wollte Liebe und Zuneigung und es gab oft Zeiten, zu denen es nicht angesagt war, sein Kind zu bekuscheln, denn die 4 Stunden im Fütterungs-Rythmus waren noch nicht um oder die Arbeit ließ keinen Raum. Und es gab nur wenig Zeiten, in denen ich als kleiner Kerl glücklich und zufrieden war....warm und geborgen, satt und ohne diesen fiesen Grummelkerl im Bauch, der so böse zu mir war....
Das führt dazu, dass ich heute auch nach Liebe hungere, mich nicht richtig binden will, weil ich Angst habe, in drei Monaten ist alles wieder vorbei und dann?? SO hilft nur Rückzug. Das ist auch der Grund, warum ich so hilflos und aggressiv auf Unklarheit reagiere....
Sind es wirklich alles die Eltern gewesen? Und was mache ich mit dieser Erkenntnis? Habe ich dadurch etwas gewonnen, indem ich diese Zusammenhänge herstelle? Oder ist es nur eine Alibifunktion, damit ich die Verantwortung für mein Handeln wieder an andere abgeben kann????
Gibt es Meinungen?
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Freitag, 8. Oktober 2010
Herbstfarben
b-reeze, 14:08h
Jetzt wenn im Herbst die Sonne scheint, die Nächte kühl und klar waren, bilden sich wieder die allerschönsten Farben. Der Ahornbaum gegenüber wird schon auf einer Seite gelb. Die andere ist noch ziemlich grün, wahrscheinlich ist es auf dieser Seite nachts nicht so kalt….so ein halb-gelber Ahornbaum hat schon seinen Reiz. Der Spindelstrauch vor dem Haus ist feuerrot und verliert jetzt so nach und nach seine Blätter. Die Weinreben werden – je nach Sorte – goldgelb oder auch rötlichbraun. Gerade der Spätburgunder bekommt bei der Blattfärbung zuerst mal dunkelrote Blattadern im grünen Blatt. Diese rote Blattfärbung dehnt sich dann immer weiter aus, bis das ganze Blatt rot ist. Die dazu gehörigen Trauben sitzen prall und dunkelviolett dazwischen. Bei den Apfelbäumen befinden sich rote Punkte im Baum. Die reifen Äpfel versprechen einen herrlich frischen Apfelgenuss. Ich finde, frisch vom Baum gepflückte Früchte sind das allerbeste und wann bekommt man so etwas? Nur im Herbst. Dazu das Blau des Himmels, mit weißen Kondenzstreifen garniert. Und das Blau der letzten Sommerblumen, beispielsweise der Glockenblumen oder der Wegwarte, bringt die Himmelsfarbe in die strohgelb verfärbte Wiese. Die Forythienblätter verfärben sich rot-golden und die braunen Kastanien rollen auf der Straße herum, also wollten sie die graue Farbe necken. Dazu riecht es überall nach vergorenen Weintrauben, in den Dörfern sind schon die ersten Holzöfen zu riechen und vor dem Weingut steht ein großes Gefäß mit Federweißen. Wenn die Nächte kalt sind, liegt morgens ein weißer Nebelschleier über dem Land, der sich am Boden mit den ersten Sonnenstrahlen auflöst und dabei eine zarte Kristalllandschaft aus Reif enthüllt. Gegen Abend bekommen die Farben einen rötlichen, warmen Akzent, damit der Abschied in die zunehmend längeren Nächte nicht so schwer fällt.
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Donnerstag, 7. Oktober 2010
Sind kluge Leute unglücklicher?
b-reeze, 13:09h
Das ist die Frage des Tages. Ich kenne ganz viele Leute, die in den Augen der Anderen doof sind, blöd sind, halt eben behindert. Aber......wenn man denen so zuschaut, mit ihnen redet, sich ihnen annähert.....dann merkt man auf einmal, sie sind irgendwie zufrieden, oder gar glücklich mit ihrem Leben und keiner sagt, er möchte gerne anders sein. Nein, sie empfinden sich nicht als behindert, vielleicht anders, aber niemals als etwas schlechteres...
Dann gibt es die Grenzgänger, die Selbstreflektion nicht kennen, deren Leben aus Musik-auf-Handy laden und Schmutzige-Bilder-zeigen besteht, deren Sinnhaftigkeit in der Konkurrenz zu Gleichaltrigen besteht. Sie schauen auf die Dummen herunter, sind etwas besseres.....aber auch hier, grundsätzlich mich sich zufrieden.
Dann gibt es die Menschen, deren Abendprogramm mit ein zwei Soaps, ein bisschen Reality-TV und einigen Bierchen abgehandelt ist, die sich in ihrem Kosmos wohl fühlen - vielleicht dürfte es ein bisschen mehr Geld sein....aber auch sie zeigen eine tiefe lebenszufriedenheit und wollen (bis auf mehr Geld) eigentlich so weiter leben.
Und dann gibt es meinereiner, der ständig sich und seine Rolle im Leben überprüft, ständig nach Fallen und Mißgünstigen sucht, dauernd sein Verhalten nach außen absichert, hinterfragt und kein bisschen entspannt sein kann. Der dauernd grübelt, nie zufrieden ist, keine Sekunde des Tages mal in Ruhe sich selber sein kann....das nenne ich nicht glücklich. Und das ich klug bin, daran besteht kein Zweifel. Vielleicht zu klug, um glücklich zu sein. Ist es das?
Dann gibt es die Grenzgänger, die Selbstreflektion nicht kennen, deren Leben aus Musik-auf-Handy laden und Schmutzige-Bilder-zeigen besteht, deren Sinnhaftigkeit in der Konkurrenz zu Gleichaltrigen besteht. Sie schauen auf die Dummen herunter, sind etwas besseres.....aber auch hier, grundsätzlich mich sich zufrieden.
Dann gibt es die Menschen, deren Abendprogramm mit ein zwei Soaps, ein bisschen Reality-TV und einigen Bierchen abgehandelt ist, die sich in ihrem Kosmos wohl fühlen - vielleicht dürfte es ein bisschen mehr Geld sein....aber auch sie zeigen eine tiefe lebenszufriedenheit und wollen (bis auf mehr Geld) eigentlich so weiter leben.
Und dann gibt es meinereiner, der ständig sich und seine Rolle im Leben überprüft, ständig nach Fallen und Mißgünstigen sucht, dauernd sein Verhalten nach außen absichert, hinterfragt und kein bisschen entspannt sein kann. Der dauernd grübelt, nie zufrieden ist, keine Sekunde des Tages mal in Ruhe sich selber sein kann....das nenne ich nicht glücklich. Und das ich klug bin, daran besteht kein Zweifel. Vielleicht zu klug, um glücklich zu sein. Ist es das?
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Donnerstag, 30. September 2010
UH
b-reeze, 14:12h
UH - das Autokennzeichen für den Unstrut-Hainich-Kreis in Thüringen. Ganz aktuell aber der Ausdruck meiner Seele. Der Tag fing eigentlich ganz gut an, aber je später es wurde, desto mehr fing ich mir Absagen und ungute Gefühle ein....es ist ein Jammer, wenn man von den Gefühlen anderer immer so abhängig ist (kennt das jemand?)....also auf der Arbeit liefen drei oder vier Sachen nicht so, wie ich es gerne gesehen hätte, da waren zu viele unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse und schon wurde es eng bei mir. Die Tagesration Schoko war schon um 10 Uhr aufgebraucht und 300 Gramm sind ja nicht gerade wenig....hab versucht mich mit einem kleinen Spaziergang zu retten, aber die Mittagspause war nicht lang genug und ein Supermarkt voll mit Schoko ... hmmm - ehrlich gesagt, ich hab ihn umgangen. weiß schon warum, will doch nicht so aussehen wie Alex (wer weiß denn schon wie Alex aussieht? Das ist jetzt aber ein Insider...aber Alex wiegt bestimmt doppelt so viel wie ich....just for info). Jetzt drifte ich so in der Überforderung - der seelischen Überforderung und was ich gebrauchen könnte, wäre jetzt jemand, der mir über den Kopf streicht und sagt: das Wetter draußen ist zwar beschissen, aber in unseren Herzen ist ein Licht, das wärmt (oder so ähnlich). Brauche wohl gerade wieder eine Mama....blöd, wenn man fast 50 ist, dann sieht das nicht so besonders männlich aus. aber das ist ja sowieso mein Dauerkonflikt mit mir. Kann nicht mal einer mein Gehirn rausoperieren, damit die negative Denke aufhört?
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Freitag, 24. September 2010
zu mir
b-reeze, 10:52h
Sicherlich wollt ihr wissen, wer denn seine Seelenwinde hier rausläßt. Ok, ein paar kleine aber wichtige Informationen:
47 Jahre, männlich, Familie mit Kindern, Rhein-Main-Gebiet, bekennender Schokoholiker und Hard-Core-Naturnutzer.
Alles weitere dann so nach und nach oder auch auf Anfrage. Will mich hier nicht so gläsern machen. Wer weiß, welchen Arbeitgeber ich noch brauchen werde und wer bestimmt Dinge nicht unbedingt zu wissen braucht...
Mal sehen....kommt Zeit, kommt Info
Schönen Tag
47 Jahre, männlich, Familie mit Kindern, Rhein-Main-Gebiet, bekennender Schokoholiker und Hard-Core-Naturnutzer.
Alles weitere dann so nach und nach oder auch auf Anfrage. Will mich hier nicht so gläsern machen. Wer weiß, welchen Arbeitgeber ich noch brauchen werde und wer bestimmt Dinge nicht unbedingt zu wissen braucht...
Mal sehen....kommt Zeit, kommt Info
Schönen Tag
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